Die synoptische Wetterlage für die Pfalz am Wochenende vom 29.08.2026 und 30.08.2026 ist durch den Abzug einer markanten Kaltfront des Tiefdrucksystems „Raphaela“ über Westeuropa gekennzeichnet, gefolgt von einer vorübergehenden atmosphärischen Stabilisierung und einem anschließenden leichten Anstieg des Geopotenzials.
Ein Abgleich der führenden globalen und hochauflösenden regionalen Wettermodelle (ARPEGE, Arome, AIFS, GFS, GEM, ICON-D2, WRF, ICON, NAVGEM und ECMWF) zeigt ein konsistentes Bild einer deutlichen Wetterberuhigung nach den schweren Vorabendunwettern. Die Pfalz befindet sich in einer mäßig warmen, rückseitigen Südwestströmung, bei der postfrontale Höhenkaltluft im Zusammenspiel mit tageszeitlicher Erwärmung für eine moderate Schauerneigung sorgt.
Samstag, 29.08.2026
Morgen
In den frühen Morgenstunden präsentiert sich die Pfalz unter abziehender Frontenbewölkung wechselnd wolkig bis gering bewölkt. In windgeschützten Tälern des Pfälzerwaldes sowie entlang der Flusslandschaften von Rhein und Lauter simulieren die hochauflösenden Modelle Arome, ICON-D2 und WRF die Ausbildung flacher, lokaler Bodennebelfelder aufgrund der hohen Bodenfeuchte. Die relative Luftfeuchtigkeit liegt verbreitet bei sehr hohen 85 bis 93 %. Der Luftdruck am Boden bewegt sich auf mäßigem Niveau um 1012 bis 1014 Hektopascal. Die Temperaturen sinken auf Tiefstwerte zwischen 12 Grad in den Hochlagen des Donnersbergs und 15 Grad in der sonnenverwöhnten Vorderpfalz. Die Taupunkte liegen mit 11 bis 13 Grad eng an der Lufttemperatur, was den feuchtkühlen, herbstlichen Charakter des Morgens unterstreicht. Der Wind weht nur schwach aus südwestlichen Richtungen.
Vormittag
Die Nebelfelder lösen sich rasch auf und weichen einem freundlichen Wechsel aus Sonnenschein und Quellwolken (Cumulus humilis). Der Luftdruck steigt durch eine schwache Zwischenhocheinstrahlung leicht an. Die Luftfeuchtigkeit sinkt im Zuge der tageszeitlichen Erwärmung auf Werte um 70 bis 75 %. Die Temperaturen klettern kontinuierlich auf 17 bis 19 Grad. Der Taupunkt verbleibt im mäßig feuchten Bereich um 12 Grad. Der Wind frischt spürbar auf, dreht stabil auf Südwest und erreicht im Mittel Stärken von 15 bis 20 km/h. Niederschläge werden von den Globalmodellen wie ECMWF, GFS, GEM und NAVGEM für diesen Zeitraum im gesamten Pfälzer Raum ausgeschlossen.
Nachmittag
Am Nachmittag zeigt sich der Himmel wechselnd bis stark bewölkt. Im Zuge der tageszeitlichen Labilisierung ziehen von Südwesten her einzelne, meist isolierte Regenschauer über das Vorhersagegebiet. Die hochaufgelösten Kürzestfristmodelle ICON-D2 und WRF berechnen die Passage einzelner Schauerstaffeln. Die prognostizierte Regenmenge bleibt mit 0,5 bis maximal 3 Litern pro Quadratmeter gering und ist stark ungleich verteilt; weite Teile der Vorderpfalz bleiben gänzlich trocken. Die Höchsttemperaturen erreichen angenehme, spätsommerliche 21 bis 23 Grad, während in den höheren Lagen des Pfälzerwaldes bei knapp 19 Grad Schluss ist. Die Luftfeuchtigkeit pendelt sich bei rund 60 % ein. Der Luftdruck verharzt auf einem stabilen Niveau von etwa 1015 Hektopascal. Der Südwestwind bläst mäßig, bockt jedoch in Schauernähe und in freien Lagen der Westpfalz mit stürmischen Böen von bis zu 45 km/h auf.
Abend
Mit dem Nachlassen der solarer Einstrahlung fallen die Quellwolken in sich zusammen, und die Schauertätigkeit klingt im gesamten Gebiet rasch ab. Es stellt sich ein weitgehend klarer oder nur locker bewölkter Himmel ein. Die Temperaturen sinken bis zum späten Abend auf 17 bis 15 Grad ab. Die Luftfeuchtigkeit zieht infolge der Abkühlung wieder auf über 75 % an. Der Wind flaut deutlich ab, bleibt im Mittel unter 10 km/h und dreht schwach auf südliche Richtungen. Der Luftdruck zeigt sich unverändert stabil.
Nacht
Die Nacht zum Sonntag verläuft unter dem Einfluss eines schwachen Hochdruckkeils weitgehend trocken und gering bewölkt. Die Temperaturen sinken auf Werte zwischen 15 Grad in Ballungsräumen und bis zu 11 Grad in den Muldenlagen des Pfälzerwaldes. Die Luftfeuchtigkeit nähert sich erneut der Sättigungsgrenze von 90 %, was vor allem in den frühen Morgenstunden im Umfeld von Gewässern zu vereinzelter Sichtbehinderung durch flachen Nebel führt. Der Luftdruck hält sein Niveau, während der Taupunkt auf kühle 10 Grad absinkt.
Sonntag, 30.08.2026
Morgen
Der Sonntag beginnt nach Auflösung lokaler Restnebelfelder zunächst freundlich und mit viel Sonnenschein, da die Pfalz auf der Vorderseite des nächsten westeuropäischen Troges liegt. Der Himmel ist zunächst nur von dünnen Schleierwolken (Cirrus) überzogen. Die relative Luftfeuchtigkeit startet hoch bei rund 80 bis 85 %. Der Luftdruck beginnt im Vorfeld des neuen Tiefs aus Nordwesten leicht zu fallen und sinkt auf etwa 1011 Hektopascal. Die Temperaturen liegen am frühen Morgen im Bereich von 13 bis 16 Grad bei einem Taupunkt von etwa 12 Grad. Der Wind weht schwach bis mäßig aus Süd bis Südwest.
Vormittag
Im Laufe des Vormittags nimmt die Bewölkung von Westen her allmählich zu, wobei sich dichtere Altocumulus- und Stratocumulusfelder vor die Sonne schieben. Trotz der Bewölkungszunahme bleibt es zunächst noch trocken. Die Luftfeuchtigkeit sinkt auf etwa 65 bis 70 %. Die Temperaturen steigen aufgrund milder Luftmassenströme zügig an und erreichen am späten Vormittag bereits Werte um 19 bis 21 Grad. Der Wind frischt aus südwestlicher Richtung merklich auf und erreicht im Mittel Geschwindigkeiten um 20 km/h mit ersten frischen Böen in freien Lagen.
Nachmittag
Am Nachmittag dominiert dichte, mehrschichtige Bewölkung das Himmelsbild in der gesamten Pfalz. Das KI-gestützte Modell AIFS sowie die globalen Platzhirsche ECMWF und GFS prognostizieren eine wellende Frontalzone, die den Südwesten Deutschlands tangiert. Es setzt von Südwesten her zeitweise schauerartiger Regen ein, der sich schubweise intensiviert. Die berechneten Regenmengen variieren stark zwischen den Modellen: Während ARPEGE und GFS verhaltene 1 bis 4 Liter pro Quadratmeter kalkulieren, zeigen ICON und GEM lokale Schwerpunkte von bis zu 8 Litern pro Quadratmeter im Pfälzerwald. Die Höchsttemperaturen klettern trotz kompakter Bewölkung auf sommerliche 23 bis 25 Grad im Rheintal und stoppen bei rund 21 Grad im Westrich. Die Luftfeuchtigkeit verbleibt bei rund 55 bis 60 %, steigt in Regenzonen jedoch sprunghaft an. Der Luftdruck sinkt weiter auf 1008 Hektopascal. Der Südwestwind bläst mäßig bis frisch mit unangenehmen, starken Böen von bis zu 50 km/h
Abend
In den Abendstunden bleibt der Himmel wolkenverhangen, und der schauerartige Regen hält phasenweise weiter an. Die Luftfeuchtigkeit klettert im Zuge des anhaltenden Niederschlags flächendeckend auf über 75 %. Die Temperaturen gehen langsam auf 19 bis 17 Grad zurück. Der Luftdruck erreicht mit etwa 1006 Hektopascal seinen vorläufigen Tiefpunkt. Der Wind dreht leicht auf West-Südwest, schwächt sich in den Niederungen ab, bleibt auf den Bergen des Pfälzerwaldes jedoch weiterhin gut spürbar und böig.
Nacht
Die Nacht zum Montag verläuft unbeständig, stark bewölkt und wiederholt regnerisch. Das ECMWF-Modell sowie das WRF signalisieren den Durchgang einer weiteren, feucht-labilen Staffel, wodurch die Niederschlagswahrscheinlichkeit bei über 50 % verharzt. Die kumulierte Regenmenge der Nacht kann gebietsweise weitere 3 bis 7 Liter pro Quadratmeter betragen. Die Luftfeuchtigkeit nähert sich mit 85 bis 95 % der Sättigung. Die Tiefstwerte liegen aufgrund der dichten Wolkendecke auf mildem Niveau zwischen 14 und 17 Grad. Der Taupunkt verbleibt relativ hoch bei 13 bis 15 Grad, was für ein leicht schwüles Empfinden sorgt.
Analyse der prognostizierten Gewitterwahrscheinlichkeiten
Die detaillierte Betrachtung der thermodynamischen Parameter zeigt eine markante Zweiteilung des Gewitterrisikos über dem Wochenende, da die Pfalz nach den Unwettern der Vortage in den Einflussbereich stabilerer Schichtungsverhältnisse gerät.
Gewitterwahrscheinlichkeit Pfalz (29.08. – 30.08.2026)
Samstag:
[||………………] 10-15% (Sehr gering / Lokal isoliert)
Sonntag:
[||||||||||……….] 40-50% (Mäßig / Einbettung in Front)
Samstag, 29.08.2026
Die Gewitterwahrscheinlichkeit wird von fast allen herkömmlichen Modellen (ICON-D2, Arome, GFS) als sehr gering (ca. 10 bis 15 %) eingestuft.
- CAPE und Labilität: Die synoptische Kaltfront hat die energiereiche Luftmasse nach Osten abgedrängt. Die simulierten CAPE-Werte (Convective Available Potential Energy) sind verschwindend gering und erreichen am Nachmittag im Maximum lediglich 50 bis 150 Joule pro Kilogramm (J/kg).
- Hebungsantrieb: Es fehlt an einem dynamischen Hebungsantrieb in der Fläche. Die vertikale Windscherung ist in der postfrontalen Strömung zwar moderat, mangels thermodynamischen Auftriebs reicht dies jedoch nicht für organisierte Konvektion aus.
- Prognose: Es handelt sich am Nachmittag primär um harmlose, rein fotogene Rückseiten-Regenschauer. Falls sich im Pfälzerwald orografisch unterstützt eine stärkere Quellwolke durchsetzt, ist maximal ein kurzes, isoliertes „Rumpeln“ (Kaltluftgewitter) ohne Unwetterpotenzial zu erwarten.
Sonntag, 30.08.2026
Am Sonntag verschiebt sich das synoptische Setup signifikant hin zu einer mäßigen Gewitterwahrscheinlichkeit (ca. 40 bis 50 %) ab den Nachmittags- und Abendstunden.
- Thermodynamik: Durch die Zufuhr subtropischer Luftmassen auf der Vorderseite des neuen Troges steigen die Temperaturen und insbesondere die Taupunkte (bis zu 15 Grad) wieder an. Das ICON-Modell und das WRF simulieren für den späten Nachmittag einen moderaten Anstieg der CAPE-Werte auf 300 bis 600 J/kg im südlichen Pfälzer Raum.
- Windscherung und Dynamik: Gleichzeitig nimmt die großräumige Dynamik durch das herannahende Tiefdrucksystem zu. Die Modelle prognostizieren eine moderate niedertrophosphärische Windscherung (0–6 km Shear um 15–20 m/s).
- Prognose: Die Gewitter treten voraussichtlich nicht als klassische, isolierte Sommer-Wärmegewitter auf, sondern sind in die schauerartigen Regengebiete der wellenden Front eingebettet (eingebettete Konvektion). Das Hauptrisiko verlagert sich hierbei weg von großem Hagel hin zu lokalem Starkregen (aufgrund der hohen niederschlagbaren Wassermengen in der Luftmasse) sowie zu vereinzelten stürmischen Böen um 65 km/h, da der kräftige Höhenwind partiell bis zum Boden durchgemischt werden kann. Eine akute Unwetterlage wie am vorausgegangenen Freitag zeichnet sich für die Pfalz nach derzeitigem Modellstand jedoch nicht ab.