Synoptische Übersicht der Modellgewebezustände (ARPEGE, AIFS, GFS, GEM, ICON-D2, WRF, ICON, NAVGEM, ECMWF)
Die Pfalz befindet sich im unmittelbaren Einflussbereich einer markant ausgeprägten Kaltfront von Tief Raphaela, die feucht-warme und energetisch hochenergetische Luftmassen subtropischen Ursprungs nach Nordosten abdrängt.
Die hochauflösenden Regionalmodelle wie ICON-D2 und WRF zeigen im Nahbereich eine stark wellende Frontalzone, die zu wellenartigen Hebungsprozessen neigt. Die globalen Kernmodelle ECMWF, AIFS (KI-gestützt) und GFS stimmen in der großräumigen Geopotenzialverteilung überein: Ein kräftiger Höhentrog über Westeuropa weitet sich nach Deutschland aus und induziert eine rege südwestliche Höhenströmung. Das französische ARPEGE sowie das kanadische GEM stützen eine moderate Timing-Verzögerung der postfrontalen Stabilisierung am Samstag, während NAVGEM den Luftdruckanstieg nach Frontpassage am aggressivsten berechnet. Durch die vorderseitig hohe Feuchtekonzentration (hohe precipitable water-Werte) und starke thermische Kontraste ist die synoptische Lage von hoher Instabilität geprägt.
Freitag, 28.08.2026
Morgen
In den frühen Morgenstunden verlagert sich das Hauptniederschlagsband der Kaltfront direkt über die Pfalz. ICON-D2 und WRF simulieren verbreitet schauerartig verstärkten, teils gewittrig durchsetzten Regen. Die Temperaturen bewegen sich in einem engen, feucht-warmen Korridor zwischen 17 °C und 19 °C, gestützt durch die dichte Bewölkung. Die relative Luftfeuchtigkeit ist mit 91 % bis 94 % nahe der Sättigungsgrenze. Die Taupunkte liegen sehr hoch bei 16 °C bis 18 °C, was zu einer ausgeprägten Schwüle führt. Der Luftdruck markiert mit 1011 hPa bis 1013 hPa ein relatives Minimum. Der Wind weht schwach bis mäßig aus Süd bis Südwest mit mittleren Geschwindigkeiten um 10 km/h, frischt jedoch in Schauernähe spürbar auf. Sichtbehinderungen treten vor allem in den höheren Lagen des Pfälzerwaldes durch aufliegende Bewölkung und lokalen Dunst auf.
Vormittag
Am Vormittag zieht der Kernbereich der Hauptfront langsam nach Osten ab, es verbleibt jedoch eine feucht-instabile Rückseite. Laut ECMWF und AIFS klingen die flächigen Dauerniederschläge ab, gehen jedoch in eine dichte, postfrontale Stratocumulus-Bewölkung über. Die Sonne zeigt sich kaum, die Wolkenuntergrenzen heben sich nur zögerlich an. Die Temperaturen verharren stabil bei rund 18 °C bis 19 °C. Die Luftfeuchtigkeit sinkt minimal auf 87 % bis 91 %. Der Luftdruck beginnt von Westen her leicht zu steigen. Der Wind dreht flächig auf Südwest und legt an Fahrt zu. Es sind konstante Windgeschwindigkeiten um 15 km/h mit ersten Böen bis 35 km/h zu verzeichnen. Nebel bildet sich zurück, die Sichtweiten verbessern sich abseits von Regenschauern deutlich.
Nachmittag
Am Nachmittag lockert die Wolkendecke im Lee des Pfälzerwaldes zeitweise auf, wodurch die Sonneneinstrahlung die bodennahe Luftschicht erwärmen kann. Die Höchsttemperaturen erreichen 21 °C bis 22 °C. Das GFS-Modell triggert in dieser Phase durch die Einstrahlung eine rasche Labilisierung, wodurch sich kräftige Quellwolken (Cumulus congestus) bilden. Die relative Luftfeuchtigkeit sinkt in den trockeneren Phasen auf 63 % bis 67 %, während die Taupunkte auf 13 °C bis 14 °C zurückgehen. Der Luftdruck stabilisiert sich bei 1015 hPa. Der Südwestwind weht lebhaft mit Böen zwischen 40 und 50 km/h. Die prognostizierte Regenmenge in den Nachmittagsstunden schwankt modellabhängig stark und liegt im Mittel bei 2 bis 5 l/m² durch lokale Schauerzellen.
Abend
In den Abendstunden beruhigt sich das Wettergeschehen unter dem Einfluss eines einsetzenden Zwischenhocheinflusses vorübergehend. ARPEGE und GEM zeigen ein großflächiges Absinken der Luftmassen, wodurch die Quellbewölkung in weiten Teilen der Pfalz in flache Schichtbewölkung übergeht oder gänzlich auflockert. Die Sonne kann sich vor ihrem Untergang nochmals regional präsentieren. Die Temperaturen sinken zügig auf 18 °C bis 19 °C ab. Die Luftfeuchtigkeit steigt strahlungsbedingt wieder auf 70 % bis 75 % an. Der Wind flaut spürbar ab, dreht auf West bis Südwest und erreicht im Mittel nur noch 10 bis 15 km/h. Der Luftdruck steigt kontinuierlich weiter an.
Nacht
Die Nacht zum Samstag verläuft größtenteils wetterbegünstigt und klar bis gering bewölkt. Das hochauflösende WRF signalisiert jedoch, dass durch die starke Ausstrahlung und die hohe Restfeuchte im Boden in den Flusstälern (insbesondere entlang des Rheins und in den Senken der Vorderpfalz) dichte Nebelfelder entstehen können. Die Tiefstwerte sinken auf kühlere 14 °C bis 15 °C. Die Luftfeuchtigkeit klettert in Bodennähe auf 80 % bis 85 %. Der Taupunkt sackt auf 11 °C bis 12 °C ab, wodurch die drückende Schwüle komplett verschwindet. Der Wind weht schwach aus westlichen Richtungen mit unter 10 km/h. Der Luftdruck erreicht stabile 1018 hPa.
Samstag, 29.08.2026
Morgen
Der Samstagmorgen beginnt in den Niederungen teils mit zähen Nebel- und Hochnebelfeldern, die sich jedoch unter der im August noch kräftigen Morgensonne rasch auflösen. Die globalen Modelle ECMWF und ICON zeigen ein schwaches, flaches Hochdruckgebiet über Süddeutschland, das den Start in den Tag dominiert. Die Temperaturen liegen in den frühen Stunden bei frischen 14 °C bis 16 °C. Die Luftfeuchtigkeit ist mit 78 % bis 82 % anfangs hoch, sinkt aber mit der solarer Erwärmung zügig. Der Taupunkt bewegt sich um 11 °C. Der Wind ist nahezu windstill oder weht schwach aus variablen Richtungen. Der Luftdruck markiert mit 1019 hPa den Höchstwert des Vorhersagezeitraums.
Vormittag
Im Laufe des Vormittags setzt sich ein freundlicher Mix aus Sonne und harmlosen Schönwetterwolken (Cumulus humilis) durch. AIFS und GFS berechnen übereinstimmend eine temporäre Austrocknung der mittleren Troposphäre, was die Wolkenbildung limitiert. Die Temperaturen steigen stetig an und erreichen bis zum Ende des Vormittags etwa 19 °C bis 20 °C. Die Luftfeuchtigkeit geht deutlich auf unter 70 % zurück. Der Wind frischt nur schwach aus Südwest auf. Nebel ist kein Thema mehr, die Fernsicht ist ausgezeichnet. Der Luftdruck verbleibt auf einem stabilen, leicht fallenden Niveau.
Nachmittag
Am Nachmittag schwenkt von Westen her ein neuer, flacher Kurzwellentrog heran. Das kanadische GEM und das deutsche ICON reagieren darauf mit einer deutlichen Bewölkungszunahme von Luxemburg und dem Saarland her. Die Sonne wird zunehmend abgeschirmt. Die Höchsttemperaturen pendeln sich erneut bei 21 °C bis 22 °C ein. Die Luftfeuchtigkeit stabilisiert sich im Bereich von 65 % bis 69 %. Die Taupunkte steigen leicht auf 12 °C bis 13 °C an. Der Südwestwind nimmt im Vorfeld der Trogachse wieder an Fahrt auf und erreicht im Mittel 15 bis 20 km/h mit einzelnen Böen um 40 km/h. Niederschlag fällt bis zum späten Nachmittag in den meisten Teilen der Pfalz noch nicht, die Regenwahrscheinlichkeit steigt erst zum Abend hin an.
Abend
Am Abend verdichtet sich die Bewölkung flächendeckend zu einer geschlossenen Altostratus- und Stratocumulusdecke. Das ICON-D2-Modell simuliert erste aufkommende, leichte Regenschauer im Westrich und im Nordpfälzer Bergland. Die Temperaturen gehen auf 17 °C bis 18 °C zurück. Die Luftfeuchtigkeit zieht aufgrund des aufkommenden Niederschlags auf 75 % bis 80 % an. Der Luftdruck sinkt leicht auf 1016 hPa. Der Wind weht mäßig aus Südwest, bricht in den Tälern aber leicht zusammen, während er auf den Kuppen des Pfälzerwaldes böig bleibt. Die Sichtwerte verschlechtern sich durch einsetzenden leichten Regen und absinkende Wolkenuntergrenzen.
Nacht
In der Nacht zum Sonntag greift die Trogvorderseite voll auf die Pfalz über. ECMWF und GFS berechnen verbreitet einsetzenden, meist mäßigen Regen, der sich von West nach Ost über die gesamte Region zieht. Die modellierte Regenmenge liegt flächig zwischen 3 und 7 l/m². Die Temperaturen gehen kaum zurück und stagnieren aufgrund der dichten Wolken- und Niederschlagsdecke bei 14 °C bis 15 °C. Die Luftfeuchtigkeit erreicht mit 85 % bis 90 % fast die Sättigung. Die Taupunkte liegen mit 12 °C nahe an der Lufttemperatur. Der Wind dreht auf West-Südwest und weht mäßig, bei Regenpassagen kurzzeitig auflebend. Der Luftdruck fällt weiter auf 1013 hPa ab.
Detaillierte Analyse der Gewitterwahrscheinlichkeiten
Gewitterrisiko (SBCAPE / Windshear-Index)
Freitag:
Morgen: [██████████████░░░░░] 70% (Konvektiv durchsetzte Front)
Vormittag: [████░░░░░░░░░░░░░░░░] 20% (Postfrontale Stabilisierung)
Nachmittag: [██████████░░░░░░░░░░] 50% (Rückseiten-Instabilität)
Abend/Nacht:[░░░░░░░░░░░░░░░░░░░░] <5% (Stabilisierung)
Samstag:
Tagsüber: [░░░░░░░░░░░░░░░░░░░░] <5% (Schichtbewölkung / Flachhoch)
Nacht: [██░░░░░░░░░░░░░░░░░░] 10% (Isolierte eingelagerte Zellen)
Die Gewitterlage präsentiert sich im Vorhersagezeitraum stark zweigeteilt und verlangt eine differenzierte synoptische Betrachtung anhand der thermodynamischen Parameter:
Freitag (Morgen): Während der Passage der Kaltfront von Tief Raphaela ist das Gewitterrisiko mit 70 % am höchsten. Die hochauflösenden Modelle ICON-D2 und WRF zeigen präfrontale SBCAPE-Werte (kinetische Energie) von 600 bis 1000 J/kg, gekoppelt mit einer mäßigen vertikalen Windscherung (DWD-Warnlagebericht untermauert dies). Dies führt zu konvektiv stark durchsetzten Clustern. Es besteht ein erhöhtes Risiko für Starkregen (lokal um 20 l/m² in kurzer Zeit), kleinkörnigen Hagel und Sturmböen bis 85 km/h (Bft 9). Die Scherungskomponente deutet auf linienhafte Anordnungen hin, schwere Superzellen werden von den Regionalmodellen aufgrund der schnellen Frontverlagerung eher weiter südöstlich (Richtung Baden-Württemberg) berechnet.
Freitag (Nachmittag): Nach dem vormittäglichen Absinken baut sich durch die temporäre Einstrahlung eine sekundäre Instabilität auf. Das GFS und das WRF zeigen ein erneutes Aufleben der CAPE-Werte auf rund 300 bis 500 J/kg. Da die Höhenkaltluft des Troges nachstößt, steigen die vertikalen Temperaturgradienten. Die Wahrscheinlichkeit für isolierte Rückseitengewitter („Kaltluftgewitter“) liegt bei 50 %. Diese sind meist kleinzellig, können aber durch die schnelle Zuggeschwindigkeit lokale Graupelschauer und böig auffrischenden Wind generieren.
Samstag: Die Gewitterwahrscheinlichkeit sinkt tagsüber auf unter 5 %. Die thermodynamische Schichtung ist durch den Zwischenhocheinfluss stabilisiert, es fehlt an großräumigem Hebungsantrieb und Feuchtefluss in der Konvektionsschicht. Erst in der Nacht zum Sonntag, mit Übergreifen des neuen Troges, berechnet das ECMWF minimale, erhöhte Labilitätsindizes in der Höhe. Die Wahrscheinlichkeit für eingelagerte, meist blitzarme Gewitter innerhalb des flächigen Regengebietes liegt dann bei maximal 10 %, wobei das Unwetterpotenzial als sehr gering einzustufen ist.